Akademie

 

Die Wahl des Begriffes „Akademie“ ist nicht zufällig erfolgt, sondern weil er der hier stattfindenden Arbeit am Besten entspricht. „Akademie“ leitet sich ursprünglich von der Philosophenschule Platons ab, die im Hain des Heros Akademos zusammen kam, welcher den Namen „Akademeia“ trug. Es wurde unter dem Begriff eine gelehrte Gemeinschaft oder eine Vereinigung von Gelehrten oder Künstlern verstanden, die die Forschung oder die Kunst im Sinne einer Wahrheitsfindung fördern und vertiefen wollen. In der jüngeren sogenannten „skeptischen“ Akademie erfolgte eine Abkehr von der bisherigen schulmäßigen Stoffvermittlung, indem der tiefen Skepsis des Sokrates gegenüber voreiligen Entscheidungen und unzureichend begründeten dogmatischen Behauptungen Rechnung getragen wurde. Heute werden freie Forschungs-, Lehr- und Ausbildungseinrichtungen mit dieser Bezeichnung benannt.

Die hier sich konstituierende Akademie sieht ihre Aufgabe sowohl in der Forschung und Erkenntnisbildung zu physischen und auch metaphysischen Erscheinungen des täglichen Lebens, sowie im Schaffen eines Raumes für Aus- und Fortbildung. Das dem Begriff der Akademie zugrunde liegende Bild von Gelehrten, Denkern und Kunstschaffenden, die regelmäßig zusammen treffen, um ihre Forschungen zu vertiefen und im gedanklichen Austausch weiter zu entwickeln, kommt der Atmosphäre in den Ausbildungen und Fortbildungskursen am nächsten.

Jeder Einzelne sucht nicht das typische Lehrer-Schüler-Verhältnis auf, bei dem die Referenten den Unterrichtsstoff lehrmäßig vermitteln und die Schüler ihn eher passiv rezipieren. Es besteht von Anfang an ein Forschungsinteresse bei allen Anwesenden, das sich zu einem konkreten Fach oder Thema ausrichtet, sowie zur Entwicklung von Idealen und einer bestmöglichen Förderung der individuellen Fähigkeiten des Menschen.

Der Erfolg der Ausbildung oder jeglicher Schulung liegt deshalb in der Verantwortung aller Anwesenden. Das eigenständige Interesse jedes Einzelnen an der Erforschung und Ausgestaltung des Themas sowie das konstruktive Zusammenwirken wird bestimmend dafür sein, wie weit die Themen insgesamt bis zum Ende der Ausbildung oder eines Fortbildungswochenendes entwickelt werden können und wie weit damit einhergehend ein Wachstum persönlicher Fähigkeiten erfolgen kann.

Dies geschieht jedoch nicht mit den bekannten Methoden der Gruppendynamik, sondern durch das thematische Interesse jedes Einzelnen verbunden mit der Ausformung von Idealen und das konkrete Anknüpfen an den Beiträgen der Kollegen, bis der Gedanke klar herausgearbeitet ist. Diese Art des Arbeitens wird als rhythmisches Zusammenwirken bezeichnet. Anstelle einer Wissensfülle und einer heute oft anzutreffenden intellektuellen Überladung erfolgt eine ausreichende gedankliche Anschauungsbildung mit Vorstellungsentwicklung, durch die das Thema oder das entsprechende Fachgebiet zu einem frei handhabbaren Gut für den Einzelnen werden. An dieser Stelle schließt sich auch der Kreis hin zum Künstlerischen, weil ein freies und schöpferisches Umgehen in jedem Berufsfeld sowohl solider Kenntnisse, wie auch vertiefter Empfindungen für das entsprechende Fachgebiet bedarf.

Die Akademie versteht sich als einen Ort, der in diesem Sinne die Möglichkeit des forschenden, bildenden, schöpferischen und aufbauenden Zusammenwirkens von Personen eröffnet.

Bild: Ausschnitt aus „Die Schule von Athen“