Leitbild-Vision

 

Die „Akademie für Soziabilität“ verpflichtet sich einem hohen Ideal eines freien Menschseins, bei dem eine klare individuelle Standpunktbestimmung und eine soziale, den anderen erbauende Begegnungsfähigkeit keine Gegensätze sind, sondern eine neue Kultur der Begegnung eröffnen, eine Kultur, die sowohl die eigene Integrität, sowie die des anderen gleichermaßen fördert.

In der Soziologie, Psychologie und anderen Fachbereichen sind unter dem Begriff Soziabilität sehr einfache bis hin zu komplexen Bedeutungsgebungen anzutreffen (siehe Kasten), die teilweise auch widersprüchlich sind. Ein sehr umfassendes Bild findet sich bei Alfred Adler (siehe links unten), der den Begriff der Soziabilität wohl erstmals einführte. Über die Darstellung von möglichen Fähigkeiten zur Gemeinschaftsbezogenheit des Menschen ist sein Blick sehr weit in eine vollkommenere Zukunft gerichtet:

 

Gemeinschaft besagt vor allem ein Streben nach einer Gemeinschaftsform, die für ewig gedacht werden muss, wie sie etwa gedacht werden könnte, wenn die Menschheit das Ziel der Vollkommenheit erreicht hat. (Adler 1933/1973, S. 166) Deshalb bedeutet Soziabilität für Adler mehr als nur Anpassung und Integration in bestehende Verhältnisse oder die Fähigkeit zu Smalltalk, sondern notwendig den Wandel und die Kritik an bestehenden Gesellschaftsformen für einen Aufstieg zu gehobeneren Formen, sowie Verantwortung und aktive Auseinandersetzung mit sich selbst und der personalen Umwelt zum Wohle der gesamten Menschheit.

Für die Arbeit der Akademie zur Ausgestaltung der Soziabilität sind es vor allem idealere Formen des menschlichen Zusammenlebens, die die tragenden Säulen bilden. Ideale bringen zu dem bereits Bestehenden etwas Neues hinzu, sie erweitern den Horizont. Etwas Zukünftiges strahlt in die Gegenwart herein, von dem aus die Arbeit gedacht werden kann.

Ein wesentlicher Unterschied zu dem allgemeinen Verständnis von Soziabilität besteht weiterhin darin, dass eine Zugehörigkeit zu Gruppen oder Gemeinschaften nicht das erklärte Ziel ist, sondern vielmehr die Förderung des Gegenübers in seiner individuellen Entwicklung, verbunden mit dem Interesse an der Ausgestaltung von allgemein förderlichen Zielen. Im Zusammenwirken entstehen dabei ganz natürlich individuelle, gegenseitig erbauende Beziehungen unter Menschen.

Das freie und reife Individuum und die inhaltlichen Begegnungen unter Menschen bilden eine Vision, die das bloße Zugehörigsein zu einer Gruppe oder Gemeinschaft übersteigt. Gefühle des Zugehörigseins gehen häufig mit entindividualisierenden Tendenz einher und schaffen meist ganz automatisch Trennung und Spaltungen zu Personen, die nicht dazu gehören. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Kirche, als Gemeinschaft, in der sich die Christen vereinen und die damit Trennungen zu allen anderen Personen, welche nicht zu dieser Gemeinschaft gehören, erschafft.

In der Akademie beschreibt Soziabilität deshalb das Ideal einer neuen Form der freien Begegnung zwischen einzelnen Individuen. Ideale sind für jeden Interessierten frei anschaubar, sie stellen keine moralisierenden Postulate dar und schließen keinen Menschen aus, sie bedürfen im Gegensatz zur Anpassung und zum bloßen Befolgen von Gruppenregeln einer individuellen Ausformung im einzelnen Individuum. Der Begriff der Gemeinschaftsbildung umfasst in diesem Sinne alle Menschen, die einzeln und nicht gruppenmässig zueinander in Beziehung stehen und durch konkrete Anschauungsbildung gegenseitig aufbauend und heilsam wirken.